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Anämie (Blutarmut/Eisenmangel)

Anämie (Blutarmut/Eisenmangel)


Eisen (Ferrum) gehört zu den Spurenelementen. Die Hauptaufgabe des Eisens ist es, Sauerstoff in Blut und Muskeln zu transportieren und zu speichern. Ausserdem ist es Bestandteil einiger Enzyme. Eisen ist im Körper wichtig für die Bildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin und für die Funktion von Haut- und Schleimhautzellen. Eisen wird v.a. in Leber, Milz und Knochenmark gespeichert.

Die Hauptmenge des Eisens liegt in Form von Hämoglobin und Myoglobin (Blut- und Muskelfarbstoff) vor. Der gesamte Eisenbestand des Menschen beträgt in der Regel 4-5 g. Die täglich notwendige Menge von rund 1,0 Milligramm Eisen nimmt der Mensch über die Nahrung auf.

Ein Mangel an Hämoglobin bezeichnet man als Anämie.Ein Hämoglobinmangel ist nicht unbedingt mit Eisenmangel gleichzusetzen. Bei einer Blutarmut besteht ein Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten), an Hämoglobin (roter Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen) oder an Eisen. Man spricht von einer akuten und einer chronischen Anämie.

Kommt es zu einem Missverhältnis von Aufnahme (Nahrung) und Bedarf von Eisen, werden zuerst die im Körper vorhandenen Eisenspeicher gelehrt. In der Schwangerschaft und in der Stillzeit ist der Eisenbedarf besonders hoch. Babys kommen zwar mit einem Vorrat an Hämoglobin auf die Welt, der sechs bis zwölf Monate vorhält. Eisenmangel tritt schleichend auf. Er äussert sich z.B. durch Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, Kopfschmerzen, Zungenbrennen, Risse in Mundwinkeln, Kurzatmigkeit.

Ursachen

  • Blutungen z.B. bei sehr starken Menstruationsblutungen, Magen-, Darmblutungen

  • Bei erhöhtem Bedarf in der Schwangerschaft und Stillzeit

  • Wachstum (nicht genügende Eisenzufuhr durch Fehl- und Mangelernährung)

  • Säuglingen, die lange ausschliesslich mit Milch ernährt werden

  • Bei ungenügender Zufuhr über die Nahrung (z.B. bei Junkfood; Veganer)

  • Magen- Darmerkrankungen, die mit einer gestörten Eisenaufnahme einhergehen (chronischer Durchfall, Sprue, Zöliakie). Verminderte Magensaftproduktion.

  • Vitamin B 12-Mangel
    Bei der perniziösen Anämie fehlt der Intrinsic-Faktor im Magensaft, dieser ist verantwortlich für die Aufnahme von Vitamin B 12. Die Reifung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark ist dann gehemmt.

  • Folsäuremangel

  • Chronische Entzündungsprozesse , z.B. Morbus Crohn, Sprue

  • Krebs
    Eisenmangel bei Krebs bedeutet nicht nur, dass zu wenig Eisen vorhanden ist. Der Körper versucht durch Ablagerung von Eisen in Fresszellen (Makrophagen - diese gehören zum Immunsystem), den Eisengehalt im Blut zu senken. Damit wird Tumorzellen und Mikroorganismen die Lebensgrundlage entzogen, da diese Eisen als Wachstumsfaktor benötigen.

  • Chemotherapie

  • Nierenfunktionsstörungen

  • Hakenwürmer

  • Einnahme von Calcium, Magnesium, Antazida, Salicylate

  • Schwarztee, Kaffee (Tannine/Gerbstoffe)

  • Leistungs-Sport (durch mechanische Einflüsse wird Hämoglobin vorzeitig abgebaut, durch vermehrtes Schwitzen Eisen ausgeschieden)

  • Blutspenden (in kurzen Abständen)

Symptome können sein (chronische Form)

  • Anämie Mangel an rotem Blutfarbstoff/ Hämoglobin)

  • Rissige Mundwinkel (Rhagaden), Zungenbrennen, Schluckbeschwerden

  • Glatter Zunge (Atrophie der Papillen); häufig ist die Zunge entzündet, sie wird leuchtend rot, brennt

  • Blasse Haut, blasse Schleimhäute (zu prüfen an der Innenfläche des unteren Augenlides)

  • Ernährungsstörung der Fingernägel, sie werden brüchig. Nägel zeigen Quer- und Längsrillen, die Rundungen sind abgeflacht, oder es kommt zur Bildung von Hohlnägeln.

  • Haarausfall (oder stumpf)

  • Spröde, trockene Haut

  • Appetitlosigkeit, Magen-Darmbeschwerden, Sodbrennen

  • Atrophie der Nasen-, Mund-, Schlund-, Speiseröhrenschleimhaut, evtl. auch der Magenschleimhaut und v.a. bei Kindern, der Schleimhaut des Zwölffingerdarmes.

  • Kopfschmerzen

  • Allgemeine Schwäche, Leistungsminderung, Nachlassen der körperlichen Kräfte, schnelles Ermüden

  • Schlechtes Gedächtnis, Konzentrationsprobleme

  • Herzklopfen

  • Erhöhter Puls bei Anstrengung.

  • Atemnot bei Belastung (durch Sauerstoffmangel). Das Herz muss vermehrt Pumparbeit leisten.

  • Schwindel

  • Ohrensausen ( mangelnde Sauerstoffversorgung des Gehirnes. Durch erhöhten Puls, Herzklopfen versucht der Körper, das Sauerstoffdefizit auszugleichen).

  • Kälteempfindlichkeit

  • Schlafstörungen

  • Wenn Kinder auf ungewöhnliche Dinge wie Erde oder Sellerie Appetit haben, kann dies ein Hinweis auf einen Eisenmangel sein.

  • Unruhige Beine (Restless-Legs)

Diagnose Eisenmangel

Im Labor wird je nach Vorkommen des Eisens zwischen Transferrin (Serumeiweiss) und Ferritin (Speicher-Eiweiss für Eisen) unterschieden. Transferrin ist für den Transport des Eisens im Blut bis ins Gewebe zuständig. Im Gewebe wird das Eisen schliesslich als Ferritin gespeichert. Generell sollte man sich an dem Wert Ferritin (Speichereisen) und nicht am freien Eisen (Fe) orientieren.

Bei Eisenmangel wird mehr Transferrin gebildet um auch die letzten Eisenreserven zu mobilisieren. Zur Untersuchung des Eisenmangels kann sowohl die Transferrin-Konzentration im Blut als auch die Beladung des Transferrins mit Eisen bestimmt werden. Andererseits stimmt die im Blut nachweisbare Menge an Ferritin in etwa mit den Eisenvorräten des Körpers überein. Ist die Menge an Ferritin im Blut (Serum und Plasma) niedriger als üblich, gilt dies als Beweis für einen Eisenmangel. Die Ferritin-Messung gibt also am sichersten an, ob die Eisenspeicher entleert oder gut gefüllt sind.Nur wenn das Hämoglobin und das Ferritin niedrig sind, sollte Eisen substituiert werden. Ist hingegen das Hämoglobin niedrig und das Ferritin normal oder gar erhöht, muss nach weiteren Ursachen für das niedrige Hämoglobin gefahndet werden. In dieser Situation Eisen zu verabreichen, ist nicht nur nicht hilfreich, sondern sogar kontraproduktiv, da Eisen vorhandene Entzündungsprozesse fördert.

Der Eisenbefund ist der unverlässlichste Wert . Er unterliegt verschiedensten Einflüssen, er kann von Untersuchung zu Untersuchung (und von Labor zu Labor) sehr unterschiedlich sein. Die Messung von Transferrin, Ferritin und ev. löslichen Transferrin-Rezeptoren ist dafür bedeutsamer. Eine Anämie, welche nicht durch Eisenmangel verursacht ist, kann zu einer Ferritinerhöhung führen. Das Gleiche gilt für Lebererkrankungen, Infektionen, Entzündungen, Rheuma, Tumore und Leukämien.

Während ein niedriges Ferritin praktisch immer einen Eisenmangel anzeigt, ist ein normales oder hohes Ferritin leider nicht eindeutig (bei Tumoren ist Ferritin unabhängig vom Speichereisen erhöht).

Als wünschenswert gilt ein Hämoglobingehalt zwischen 12 und 16 Gramm pro Deziliter Blut bei Frauen und zwischen 13 und 18 g/dl bei Männern.


Behandlung Schulmedizin


Eisenpräparate

Eisen kann nur in zweiwertiger Form aufgenommen werden. Eisenpräparate sollten eine Stunde vor, oder zwei Stunden nach der Mahlzeit eingenommen werden. Fruchtsäfte und Vitamin C erhöhen die Eisenaufnahme. Milch, Ei, Fett und Mehl kann die Eisenaufnahme behindern.

Oral verabreichtes Eisen wird nur teilweise im oberen Verdauungstrakt verwertet. Ein Teil davon gelangt in den Dickdarm. Dies führt dort offenbar zur Bildung bestimmter Radikale. Die zusätzliche Gabe von Vitamin E kann die Verträglichkeit bei Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa möglicherweise positiv beeinflussen).

Liegt ein manifester Eisenmangel vor, kommt man an einer Einnahme von Medikamenten nicht vorbei. Leider ist dies nicht so einfach (Nebenwirkungen). Die Aufnahme ist sehr schlecht. Wenn ein 70 kg schwerer Patient bei erschöpften Eisenspeichern einen Hämoglobinwert von 10mg/dl aufweist, hat er ein Gesamt-Eisen-Defizit von 1200 mg. Nähme er jeden Tag 100 mg eines Eisenpräparates ein, wären die Eisenspeicher erst nach etwa einem Jahr aufgefüllt. Häm-Eisen, das seit einiger Zeit als Arzneimittel zur Verfügung steht wirkt rascher. Eine Substitutions-Therapie mit Eisen muss über 2-3 Monate fortgeführt werden, bis alle Speicher gefüllt sind. Für Patienten, die unter einer Eisenaufnahmestörung im Darm leiden, gibt es auch die intravenöse Eisentherapie.

Vorsicht vor Überdosierung: Eine unkontrollierte Eiseneinnahme über längere Zeit (ohne genaue Abklärung/ Labor) kann zu einer Überdosierung führen!

Als Nebenwirkung kann es bei Eisenpräparaten zu Magen-, Darm-, Beschwerden (Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen), Hitzegefühl, Kopfschmerzen und zu einer Schwarzfärbung des Stuhls kommen. Gefässe, Herz und Leber können geschädigt werden, die Infektionsanfälligkeit kann erhöht werden. Dass der Darm nur 10% des Eisens aufnimmt kommt nicht von ungefähr, dies ist eine natürliche Barriere!

  • Kreislaufkollaps und Blutungen

  • Leber- und Nierenschaden

  • Zu viel Eisensubstitution in der Schwangerschaft kann später zu einer Colitis ulzerosa beim Kind führen.

  • Koronare Herzerkrankungen wie Arteriosklerose und Herzinfarkt werden gefördert

  • Eisen in der Schwangerschaft kann Übelkeit und Erbrechen verstärken. Durch Erbrechen kann es zu einer Unterversorgung mit anderen Nährstoffen kommen. Vor allem Zink gilt in der Schwangerschaft als kritischer Nährstoff. Das lebensnotwendige Spurenelement ist insbesondere für das Wachstum des Kindes und den komplikationsfreien Verlauf der Schwangerschaft wichtig. Werden Eisenpräparate geschluckt, besteht möglicherweise die Gefahr, dass zu wenig Zink resorbiert wird. Zink und Eisen werden auf dem gleichen Weg durch die Darmschleimhaut aufgenommen. Wenn vermehrt Eisen zugeführt wird, blockiert es den gemeinsamen Transportweg, so dass weniger Zink in die Körperzellen gelangt.

Tipps


  • 1 Tabl. Vitamin B täglich (nicht chemisch hergestellt) führt zu verstärkter Aufnahme von Eisen (Hb erhöht sich, bitte keine Langzeitanwendung)

  • Jemalt, Eimalzin, Schwarze Melasse (Melasse enthält neben Eisen und anderen Mineralstoffen auch B-Vitamine)

  • Floradix Kräuterblut-Dragees (Mischung aus eisenhaltigen Lebensmitteln, organischen Eisenverbindung Eisen (II) -Gluconat sowie etlichen, zur Eisenaufnahme notwendigen Vitaminen (Vitamin C, B-Vitamine, Folsäure etc.).

  • Bierhefe


Behandlung Naturheilkunde


So beugt man vor

  • Täglich 1 EL frischer Schnittlauch essen (enthält Eisen und Vit. C)

  • Bucheckernöl; Randen (rote Bete)

  • Tee von Tausendgüldenkraut (Schafgarbe), Löwenzahn und Johanniskraut

  • Brennessel-Tee: 1 EL (nur Blätter) mit 1Tasse kochendem Wasser überbrühen, nicht aufkochen,
    10Min. ziehen lassen, 2-3mal täglich 1Tasse trinken.

  • Eisenkraut-Tee: 1 EL mit 1Tasse kochendem Wasser überbrühen, 10Min. stehen lassen, 2mal täglich 1Tasse trinken.
    Achtung: Medizinal-Tee sollte nie langfristig eingenommen werden!

  • Eisenapfel: Apfel mit mehreren Nägeln "bestücken", damit sie oxydieren/ rosten. Am nächsten Tag Apfel essen (schmeckt halt rostig), hilft aber toll. 2-4 Wochen machen.

  • Heilerde trinken

  • Brennnesselsaft, jeden zweiten Tag 1-2 EL Saft.

Ernährung

Am sinnvollsten ist es über die Ernährung vorzusorgen. Aus der Nahrung kann der Körper tierisches Eisen weitaus besser aufnehmen (= zweiwertiges Eisen; Häm-Eisen) als pflanzliches Eisen (= 3wertiges Eisen). Dreiwertiges Eisen muss durch ein Enzym erst zu zweiwertigem Eisen reduziert werden um in die Darmzellen aufgenommen zu werden. Pflanzliches Eisen ist deshalb generell schlechter verfügbar und relativ grosse Mengen sind notwendig, um den täglichen Bedarf aus dieser Nahrungsform zu befriedigen.

  • Fleisch- und Fischeiweiss verbessern die Verfügbarkeit pflanzlichen Eisens.

  • Fleisch, Geflügel und Fisch sind reich an Eisen, 1-2x pro Woche 1 Portion Leber, mageres Fleisch, Eigelb.

  • Karotten, Fenchel, grünes Gemüse

  • 50 g Hirse deckt den Tagesbedarf an Eisen und Gemüse, v.a. roh (Blattsalate, mehrere Kohlarten und Fenchel)

  • Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme im Magen-Darmtrakt bis um das Siebenfache. Enthalten ist Vitamin C in Zitrusfrüchten, Kartoffeln, Peperoni, Sauerkraut, Fenchel, frischer Fruchtsaft, Früchte.

Verzichtet man auf Fleisch, sollte man auf eine Ovo-lacto-vegetarische Kost umstellen (Eier, Milch, Milchprodukte sind hier erlaubt). Dazu gibt es eisenreiches Vollkorngetreide, Hirse, Obst, Gemüse.

Schwarztee, Grüntee, Eistee, Kaffee behindern die Eisenaufnahme (Gerbstoffe). Kalzium, Phosphat in Milchprodukten, Phytate in Getreiden, Nüssen, Hülsenfrüchten hemmen die Aufnahme, besonders aus dem Fleisch (sie sollten nicht gleichzeitig mit eisenreichen Mahlzeiten aufgenommen werden).

Kleinkinder

Säuglinge erhalten bei der Geburt einen Eisenvorrat. Über die Muttermilch wird das Kind zusätzlich mit Eisen versorgt. Eisen aus Kuhmilch wird nur zu 20% verwertet. Mit sechs Monaten sollte eisenreiche Beikost gegeben werden. Grüne Gemüse, mit Obstsäften oder roter Bete angereicherte Breikost, Fleischportionen.

Behandlung Klassische Homöopathie


Ein homöopathisches Präparat setzt einen Heilreiz, damit Eisen wieder aufgenommen werden kann.

Eisenmangel und Anämie sind für eine Selbstbehandlung nicht geeignet. Hier empfiehlt sich eine Konstitutionsbehandlung oder eine Behandlung mit Niederpotenzen. Die klassische Homöopathie orientiert sich an den Beschwerden des Patienten und an den Symptomen der Krankheit. Dazu wird eine ausführliche Anamnese gemacht. Je nach Ursache und Krankheitszustand (bei jedem Menschen äussert sich eine Blutarmut anders) wird dann ein Arzneimittel bestimmt.



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