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Hirnerschütterung

Hirnerschütterung (Commotio cerebri)


Eine Hirnerschütterung ist die mildeste Form eines Schädel-Hirn-Traumas. Hervorgerufen wird eine Hirnerschütterung durch äussere Gewalteinwirkung (Sturz, Schlag auf den Kopf). Als Folge davon kommt es zu Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Lichtscheu und Kopfweh. Es gibt verschiedene Schweregrade. Im Normalfall ist kein bleibender Schaden zu erwarten. Die Rückbildung der Symptome bei Gehirnerschütterung kann Tage bis Wochen betragen.

Patienten mit einer Hirnerschütterung sollten einen Tag überwacht werden. Je länger die Bewusstlosigkeit dauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Hirngewebe Schaden genommen hat. Eine Raum fordernde Blutung im Gehirn kann zu Quetschungen von Gehirnteilen führen und damit lebenswichtige Funktionen beinträchtigen, z.B. das Atemzentrum. Dies kann im schlimmsten Fall bis zum Tod führen. Blutungen können sich langsam entwickeln, und erst nach Stunden bis Tagen zu Symptomen führen. Röntgentechnisch können „langsame“ Blutungen erst nach 24 Stunden sicher ausgeschlossen werden. Verdacht erregt das Auftreten von Benommenheit, zunehmende Kopfschmerzen, Verwirrung.

Folgeerkrankungen

  • In seltenen Fällen kann es nach Wochen, Monaten zu einem postkommotionellen Syndrom kommen: Kopfschmerzen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Sehstörungen, verstärkte Licht- und Geräuschempfindlichkeit, depressive Verstimmungen, Angst, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Reizbarkeit (Wesens-/ Verhaltensveränderungen).

  • Migräne

  • Manchmal tritt bei einer Gehirnerschütterung nach Wochen ein Bluterguss unter der harten Gehirnhaut auf.  Anfällig für  diese sogenannte subdurales Hämatom sind besonders ältere Menschen, Menschen mit Blutgerinnungsstörungen und Alkoholiker.

  • Wenn die Verspannungen im Nackenbereich weiterbestehen, oder stärker werden, könnte die Halswirbelsäule in Mitleidenschaft gezogen worden sein (Schleudertrauma).  

Symptome

  • Hautblässe

  • Kurze Bewusstlosigkeit (für Sekunden, Minuten bis zu einer Viertelstunde). Wenn die Bewusstlosigkeit länger als eine Viertelstunde und die Verwirrtheit länger als eine Stunde dauert, die Verwirrung gar zunimmt, handelt es sich um eine ernsthaftere Verletzung (Verdacht einer Gehirnblutung, Hirnquetschung).  

  • Leichte bis mässige Kopfschmerzen

  • Schwindel

  • Übelkeit

  • Erbrechen (Erbrechen und Kopfschmerzen können aber auch völlig fehlen).

  • Verwirrtheit (Fragen nach Datum, Wochentag, Namen oder dem Ort können nicht mehr oder nur mit Schwierigkeiten beantwortet werden).

  • Erinnerungslücken (Amnesie) für den Zeitbereich vom Unfall bis maximal eine Stunde danach

  • Sprach- oder Gangstörungen

  • Starke Müdigkeit, Schläfrigkeit

  • Geräusch- und/ oder Lichtüberempfindlichkeit

  • Ungleichgrosse Pupillen

Verständigen Sie Sanität/Notruf bei folgenden Symptomen

  • Bei Bewusstlosigkeit mehr als einige Minuten (Blutungen und Schwellungen im Bereich des Gehirns führen zu einer Druckerhöhung im Schädelinnern. Durch Druck auf das Atemzentrum kann es zu Bewusstlosigkeit und im schlimmsten Fall zu einem Atemstillstand kommen).

  • Wenn die Orientierung nicht in Ordnung ist, oder Verunfallte zunehmend verwirrter wird.

  • Bei Benommenheit, Schläfrigkeit  

  • Bei Blutungen aus Ohr, Nase, Mund oder wenn milchig trübe Gehirn-Rückenmarkflüssigkeit aus der Nase austritt.

  • Wenn der Verunfallte mehr als einmal erbricht.

  • Wenn Sprach- und Gangstörungen auftreten.

  • Bei unregelmässige Atmung.

Erste Hilfe

  • Ruhe bewahren

  • Sprechen Sie den Verletzten an: Reagiert er auf die Ansprache? Antwortet er? Weiss er was eben passiert ist, welcher Tag heute ist?  Kann er auf Ihre Aufforderung Ihre Hände drücken, die Zunge herausstrecken?

  • Bei wachem Zustand, am besten erst einmal flach (bei Schock) oder mit leicht erhöhtem Oberkörper lagern (Unfallschock und die Schmerzen sind sehr Kreislauf belastend). Den Verunfallten beobachten, nicht alleine lassen. Zudecken, um eine Auskühlung zu verhindern.

  • Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlagerung (bei Erbrechen besteht die Gefahr des Erstickens).

  • Wenn der Verunfallte nach wenigen Minuten nicht wieder zu sich kommt rufen Sie auch die Ambulanz. Dies gilt auch, wenn der Patient zwar wach, aber schläfrig und dämmrig wird.

  • Überprüfen sie, ob beide Pupillen gleich gross sind. Bewegt man einen Finger vor den Augen des Verletzten langsam hin und her, so müssen die Augen der Bewegung folgen können.

  • Nach Stürzen auf den Kopf sollte man den Verunfallten 24 beobachten (lassen). Der Arzt/ die Klinik überprüft das Bewusstsein, Kreislauf und Pupillenreaktion in regelmässigen Abständen, um sicher zu gehen, dass sich der Zustand nicht verschlechtert.


Tipps


  • Bei einer schwereren Hirnerschütterung 24 Stunden Nachbeobachtung im Krankenhaus. Dabei werden regelmässig Bewusstsein, Puls, Blutdruck und Pupillenreaktion kontrolliert.

  • Haben Sie aus irgendeinem Grund keine Möglichkeit, den Verunfallten im Spital überwachen zu lassen, prüfen Sie ständig (alle halbe bis eine Stunde) den Wachheitszustand. So sollten Sie in der Nacht während des Schlafes überprüfen, ob der Patient reagiert. Eine allfällige Bewusstlosigkeit durch eine Hirndrucksteigerung lässt sich sonst im Schlaf nicht feststellen. Wollen Sie den Patienten nicht ständig aus dem Heilschlaf wecken, prüfen Sie den Muskeltonus. Im Schlaf besteht immer eine gewisse Spannung des Körpers, bei Bewusstlosigkeit fehlt diese Spannung. Bei fehlender Spannung, versuchen Sie die Person zu wecken, gelingt dies nicht: Lagern Sie sie in stabile Seitenlage und alarmieren Sie sofort Sanität/Notarzt.

  • Nach der Spitalentlassung sollte zu Hause während mehrer Tage die Beobachtung weiter gewährleistet sein.

  • Bei Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit: Bettruhe, Reizabschirmung (kein Fernsehen, Lesen).

  • Beschwerdefreie Personen, die weder Anzeichen einer tieferen Kopfverletzung noch längere Bewusstslosigleit oder Gedächtnislücken erkennen lassen, sollten sich nach dem Unfallereignis für einige Tage körperlich schonen (kein Sport). Sonne und Hitze meiden.

  • Prävention: Autogurten benützen,  Kindersitz im Auto, Fahrradhelm tragen! Auf dem Kinderspielplatz Rasen oder weicher Bodenbelag auf dem Kinderspielplatz (Klettergerüst, Schaukel). Ausrutschfallen im Haus eliminieren.


Behandlung Schulmedizin


Diagnose

  • Bei längerer Bewusstlosigkeit und abhängig vom Unfallhergang: Röntgen

  • Hirnstrommessung (EEG)

  • Eine Kernspin-Tomografie wird zur Diagnose einer Gehirnerschütterung erst notwendig, wenn das CT-Bild unauffällig war, der Verletzte aber über Beschwerden klagt oder die neurologische Untersuchung Gehirnschäden vermuten lässt.

Behandlung

  • Gegen Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen: Symptomatische Behandlung, z.B. Schmerzmittel mit Paracetamol, usw.

  • Antidepressiva bei postkommotionellen Syndrom.


Behandlung Klassische Homöopathie


Zum Glück verlaufen die meisten Unfälle ohne Folgen, ausser das vielleicht eine Schwellung/ Beule und ein Bluterguss noch für Tage an das Ereignis erinnern.

Die Meinung, dass Homöopathie nur etwas für chronische Krankheiten ist, ist auch heute noch weit verbreitet. Bei akuten Krankheiten sei deren Wirkung halt zu langsam, so wird argumentiert. Dies widerspricht völlig dem homöopathischen Praxisalltag. Gerade im Akuten zeigen homöopathische Arzneimittel ein grosses Potential! Durch die wenigen Symptome ist die Arzneibestimmung sogar einfacher, als bei einer Konstitutionsbehandlung. Ein Homöopath behandelt deshalb durchaus auch Verletzungsfolgen wie Hirnerschütterung. Je schneller die Behandlung eingeleitet wird (in den ersten Minuten, Stunden), umso weniger intensiv sind die Folgen.

Homöopathische Arzneien helfen sehr schnell bei Unfall-Schock, Schmerz und Blutung. Da bei Unfällen im familiären Umkreis auch meist die Mitbeteiligten „unter Schock“ stehen, und dadurch das richtige Arzneimittel aus der Hausapotheke schwer zu wählen ist, rate ich meinen Patienten sich lieber bei mir zu melden. In vielen Ratgebern steht Arnika als Erstmittel bei einer Hirnerschütterung. Dies mag stimmen, aber nicht immer ist Arnika angesagt. Es stehen noch viele gute Arzneien zur Verfügung, die aber nach Krankheitssymptomen und Krankheitszustand verschrieben werden. Wenn das Mittel nicht stimmt, kann ein falsch „gesetzter Heil-Reiz“, bzw. ein falsch gewähltes Arzneimittel den Körper „verwirren“ und somit schwächen. Ausserdem geht wertvolle Zeit verloren.

Oft sehe ich die Betroffenen erst, nachdem sie schon mal selber homöopathische Arzneien zu sich genommen haben, oder wenn bereits Folgeschäden einer Hirnerschütterung aufgetreten sind (chronische Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Schleudertrauma, Wetterfühligkeit, usw.). Eigentlich schade, denn je früher die Behandlung beginnt, umso weniger ausgeprägt sind die Unfall-Folgen.

Eine homöopathische Behandlung empfiehlt sich

  • unmittelbar nach dem Unfallereignis,

  • bei Blutungen, Nachblutungen (äusserlich und innerlich), bis hin zu Hirndruckzeichen,

  • bei Übelkeit,

  • bei Schwindel,

  • Schleudertrauma

  • Gleichgewichtsstörungen

  • Müdigkeit und Konzentrationsstörungen

  • Kopfschmerzen

  • Halswirbelsäulenbeschwerden (Schleudertrauma)

  • Psychischen Veränderungen (Reizbarkeit, usw.)

Jeder Mensch reagiert anders auf einen Unfall, die Symptome sind daher von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Zwar haben viele Menschen Übelkeit und Kopfschmerzen nach einer Gehirnerschütterung. Aber wie sich die Kopfschmerzen ausdrücken, wann und wo, usw., dies ist individuell. Deshalb gehört bei einer Gehirnerschütterung, bzw. bei deren Folgebeschwerden immer eine ausführliche Anamnese zur Arzneimittelbestimmung.

 

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