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Arzneimittel

Homöopathische Arzneimittel


Homöopathische Arzneimittel stellen eine eigenständige Arzneiklasse dar. Ihre Herstellung erfolgt durch wiederholte Schritte von Verdünnung und Verschüttelung oder Verreibung, wobei die Arzneien ihren chemischen Arzneigehalt verlieren. Gleichzeitig werden durch diesen Vorgang der Potenzierung die homöopathischen Wirkeigenschaften der ursprünglichen Rohstoffe immer mehr entwickelt und auf den Arzneiträger übertragen.

Durch Potenzieren (Verdünnen und Verschütteln) bekommt das Arzneimittel seine Heilkraft. Es wird dabei Energie freigesetzt und der Informationsgehalt der Arznei auf das Verdünnungsmedium Wasser oder Saccharose übertragen.

Es gibt heute mehr als 3000 Heilmittel. Sie werden vor allem aus Pflanzen, aber auch aus Metallen, Mineralien, Tieren (z.B. Apis/Biene) und aus durch Krankheiten produzierten Stoffen (Nosoden) hergestellt.

Arzneimittelprüfungen


Arzneimittelprüfungen an gesunden Testpersonen erhält man ein genaues Bild über mögliche Wirkungen einer Arznei auf den menschlichen Organismus. Dabei wird die Arznei von zahlreichen Prüfern eingenommen, die auftretenden Symptome werden genau protokolliert.

"Also genau, sorgfältig genau, müssen die Arzneien, von denen Leben und Tod, Krankheit und Gesundheit der Menschen abhängen, von einander unterschieden und deshalb durch sorgfältige, reine Versuche auf ihre Kräfte und wahren Wirkungen im gesunden Körper geprüft werden, um sie genau kennen zu lernen und bei ihrem Gebrauche in Krankheiten jeden Fehlgriff vermeiden zu können, indem nur eine treffende Wahl derselben das grösste der irdischen Güter, Wohlsein Leibes und der Seele, bald und dauerhaft wiederbringen kann."


Samuel Hahnemann, Organon §120

Arzneimittelbilder


Ein Arzneimittelbild ist eine Sammlung der Symptome, die eine Arznei bei einem Gesunden bei längerer Einnahme bzw. besonderer Empfindlichkeit hervorrufen kann. Die Ähnlichkeitsregel (Simile-Prinzip) der Homöopathie besagt, dass eine Arznei ein ähnliches Leiden erregen kann wie das, welches es heilen soll.  

Herstellung homöopathischer Arzneimittel


Die ersten Vorschriften zur Herstellung homöopathischer Arzneimittel stammen von Dr.Samuel Hahnemann, der in seinen Hauptwerken "Organon", ,,Reine Arzneimittellehre" und ,,Chronische Krankheiten" sehr genaue Angaben zur Arzneipotenzierung hinterliess. Bald danach wurden von unterschiedlichen Autoren ,,homöopathische Arzneibücher" verfasst, wobei die erstmals 1872 von W. Schwabe herausgegebene ,,Pharmacopoea homeopathica polyglottica" zum Vorläufer des heutigen homöopathischen Arzneibuches wurde. Darauf aufbauend erschien 1924 die 1. Auflage des Deutschen Homöopathischen Arzneibuches, 1978 wurde es durch das offizielle ,,Amtliche Homöopathische Arzneibuch" (HAB 1) ersetzt.

Verdünnung


Um arzneiliche Rohstoffe potenzieren zu können, müssen diese zuvor in eine verarbeitbare Form gebracht werden. Dies kann durch Lösung, Anfertigung einer Urtinktur oder Verreibung mit Lactose erfolgen.

Lösung:
Die schrittweise Verdünnung des gelösten Arzneirohstoffes erfolgt mit flüssigen Arzneiträgern. Arzneirohstoffe wie etwa Salze, Säuren oder pflanzliche Harze können im passenden Verdünnungsverhältnis in Wasser, Alkohol oder Alkohol-Wasser-Gemischen gelöst werden, bevor damit die Potenzierung beginnt. In Sonderfällen, z. B. bei Bienen- und Schlangengiften, kann zur Herstellung der Lösung auch 85% Glycerin verwendet werden.

Urtinktur: Pflanzliche und tierische Rohstoffe können meist nicht gelöst werden. Deshalb wird aus ihnen durch Mazeration oder Perkollation eine ,,Urtinktur" hergestellt. Auf diese Weise können aus frischen oder getrockneten Pflanzen oder Pflanzenteilen, pflanzlichen Presssäften, Harzen, Ölen, Tieren, Tierteilen oder Nosodenpräparaten Urtinkturen hergestellt werden.

Verreibung: Unlösliche Rohstoffe, wie z.B. Metalle oder in Alkohol oder Wasser unlösliche anorganische Salze und Minerale, müssen mit Lactose im gewünschten Potenzierungsverhältnis in einer Porzellanreibschale verrieben werden, um die Potenzierung zu beginnen. Dieses Verfahren kann prinzipiell auch für lösliche Arzneistoffe, frische Pflanzenteile und Flüssigkeiten verwendet werden.

Bezeichnungen von Verdünnungen/Potenzen: D, C oder LM

D-Potenzen werden 1:10 verdünnt: 1 Tropfen Urtinktur wird mit 9 Tropfen Lösungsmittel verschüttelt. Die erste Verdünnung wird mit D1 bezeichnet. Wird die D1 dann 1:10 verschüttelt, erhält man die D2. Dieser Vorgang lässt sich endlos wiederholen. Bis D6 spricht man von Tiefpotenzen, bis D12 von mittleren Potenzen, darüber von Hochpotenzen.

Bei C-Potenzen geschieht die Verdünnung im Verhältnis 1:100. Tiefpotenzen bis C12, Mittlere Potenzen ab C12 und Hochpotenzen ab C30.

Bei "LM-Potenzen" (Q-Potenzen) wird 1:50'000 verdünnt.

Die Verdünnungen in der Homöopathie sind häufig so stark, dass in dem fertigen Arzneimittel - chemisch gesehen - kein Wirkstoff mehr vorhanden ist. In der Homöopathie wird aber die Heilkraft als Information gesehen, die auch unabhängig vom Wirkstoff existiert.

Potenzierung =
Verdünnung + Dynamisation


Um aus der reinen Arzneiverdünnung die Arzneikraft, oder die Arzneiinformation zu entwickeln, wird verschüttelt oder verrieben, dabei gehen die Informationen auf den Arzneiträger (Wasser, Alkohol und Milchzucker, Saccharose) über.

Verschüttelung


Nach der Verdünnung wird mit Schüttel-Schlägen das Arzneimittel potenziert. Bei D- und C-Potenzen sind dies 10 Schläge, bei LM-Potenzen 100 Schläge pro Potenzierungsschritt.

Verreibung


Die schon erwähnte Verreibung (= Trituration) erfolgt entweder von Hand oder mit Hilfe geeigneter Maschinen in Reibschalen aus Porzellan, wobei die Verreibungszeit pro Potenzierungsschritt mindestens 1 Stunde beträgt. Die so gewonnene erste Verreibung, z.B. die Trituration D1 oder C1, kann wiederum im entsprechenden Verdünnungsverhältnis mit Lactose verdünnt und 1 Stunde intensiv verrieben werden. Es entsteht dadurch die D2 oder C2.

Verreibungen ab dem Potenzgrad C3, C4 bzw. D4 sind bereits so verdünnt, dass sie für die weitere Potenzierung nicht mehr trituriert werden müssen. Statt dessen kann aus ihnen im gewünschten Potenzierungsverhältnis eine wässrige Lösung angefertigt und potenziert werden, um die weitere Potenzierung im üblichen Verschüttelungsverfahren mit Alkohol durchzuführen.

Darreichungsformen


Tropfen/Dilutionen:

Als Arzneiträger enthalten sie meist 43% Äthanol. Sie werden pur oder mit Wasser verdünnt eingenommen.

Globuli
/Streukügelchen: Globuli werden aus Zucker (Saccharose) gefertigt und mit der alkoholischen Dilution des gewünschten Potenzgrades benetzt.

Tabletten
: Triturationen (Verreibungen) werden zusammen mit Zusatzstoffen zu Lactosetabletten gepresst.

Komplexmittel
: Sie sind Kombinationspräparate, die aus zwei oder mehreren homöopathischen Einzelmitteln hergestellt werden. Sie werden als Arzneispezialitäten angeboten. Die klassische Homöopathie lehnt Komplexmittel ab. Komplexmittel werden nicht nach dem Ähnlichkeitsprinzip (Simile-Prinzip) angewandt, sondern nach klinischen Gesichtspunkten eingesetzt.

Lagerung und Haltbarkeit


Homöopathische Arzneimittel sind trocken zu lagern.

Zu vermeiden sind Einflüsse, wie starke Hitze, Sonnenbestrahlungen (z.B. Aufbewahrung im Auto), elektromagnetischer Felder (Handy, Mikrowellenherd, Computer, Fernseher) sowie der Kontakt mit stark riechenden Substanzen wie ätherische Öle, Parfüms, Kampfer, Menthol.

Eventuell können Röntgendurchleuchtungen an Flughäfen eine störende Wirkung auf homöopathische Arzneimittel haben.

Die Arzneimittel sind unbegrenzt haltbar, da keine chemisch oder biologisch abbaubaren Inhaltsstoffe enthalten sind. Aus juristischen Gründen wird jedoch von vielen Firmen auf den homöopathischen Produkten ein Ablaufdatum von 5 Jahren angegeben.



Inhaltsverzeichnis


Homöopathische Arzneimittel

Arzneimittelprüfungen

Arzneimittelbilder

Herstellung homöopathischer Arzneimittel

Potenzierung = Verdünnung +Dynamisation

Darreichungsformen

Lagerung und Haltbarkeit

 

 

Homöopathisches Arzneimittel

 


 
 
Die Bergpflanze Arnica ist eine Pflanze, die bereits lange vor der Homöopathie als Hausmittel bei bestimmten Verletzungen eingesetzt wurde. Hahnemann war der Erste, der ihre Wirkungen auf den menschlichen Organismus systematisch erfasste. Ein umfassendes Arzneimittelbild von Arnica montana wurde erstmals in der "Reinen Arzneimittellehre" Hahnemanns veröffentlicht, deren 6 Bände in erster Auflage von 1811 bis 1821 erschienen. Die aufgezeichneten Symptome gelten bis heute als sehr zuverlässig und lassen sich heutzutage durch erneut durchgeführte Arzneimittelprüfungen jederzeit bestätigen. In seiner "Reinen Arzneimittellehre", findet man 592 Symptome von Arnica. Durch spätere Prüfungen und durch klinische Erfahrungen sind bis heute noch viel mehr Symptome bekannt. Die folgenden Symptome sind nur ein kleiner Überblick über das grosse Arzneimittel von "Arnica montana".

Fördert die Wundheilung, wirkt auf Muskeln, Blutgefässe, Nerven
  • Keine Salbe, Tinktur bei offener Verletzung. Die Wunde schliesst sich zu schnell. Es kann äusserlich angewandt zu Entzündungen kommen.
  • Homöopathische Globuli vor Operation oder vor einem Eingriff beim Zahnarzt (Angst, Schmerz, Blutstillung): Eine C 30 sollte, wenn überhaupt zum Voraus, am gleichen Tag verabreicht werden. Bei mehrmaliger Einnahme schon Tage im Voraus, kann es während dem Eingriff zu heftigen Blutungen kommen!
  Ursache/Causa
  • Traumatische VERLETZUNGEN v.a. der Weichteile (Quetschung, Prellung, Verstauchung, Bluterguss, Gehirnerschütterung). Für Verletzungen mit Fleischwunden sind andere Mittel angezeigt.
  • Wunden mit ausgeprägter Schwellung od. Quetschung, sehr schmerzhaft. Obwohl es schmerzt - muss er sich bewegen, jede Lage ist unbequem, die Unterlage ist zu hart.
  • Überanstrengung (Muskulatur).
  • Überdehnung, Zerrung von Muskeln - verhindert Blutungen, Entzündung.
  • SCHOCK, Schreck, Kummer, plötzlicher finanzieller Verlust.
  • Eitrige Infektionen (Arnika verhindert Eiterungen).
Leitsymptome
  • Beschwerden nach Verletzung (körperlich und geistig).
  • Wundes, lahmes Gefühl, fühlt sich wie zerschlagen.
  • Starke Schmerz-empfindlichkeit.
  • Unruhe
  • Sagt er sei gesund, möchte in Ruhe gelassen werden (z.B. Unfallschock!).
  • Todesfurcht
  • Benommenheit, Gleichgültigkeit; antwortet korrekt, schläft beim Beantworten von Fragen aber ein.
  • Angst vor Berührung, Annäherung.
  • Körper kalt, heisser Kopf.
  • Rötliche, bläuliche Schwellungen (z.B. Verstauchung).
  • Ganzer Körper schmerzt.
  • Nächtliche Angstzustände nach einem Unfall.
  • Unbehagen in den schmerzenden Teilen, muss deshalb die Lage häufig wechseln; jeder Platz ist zu hart; alle Teile auf denen man liegt sind wie wund.
  • Schwarze und blaue Flecken (Hämatome).
  • Aufstossen mit Geruch wie faule Eier.
  • Absonderungen übelriechend, faulig.
Modalitäten

< Berührung; Druck, nachts; Bewegung; langes Liegen auf einer Seite; Feuchtigkeit; Kälte, Trost.

> Liegen (mit dem Kopf nach unten; flach Liegen); Veränderung der Lage; Wärme; warme Umschläge; Ruhe; Reiben.